Aktuelles


05. Dezember 2020 - Showcase Honduras Classic

 

Es ist immer ein tolles Gefühl, wenn ein Kaffee, den man schon vor knapp einem halben Jahr bestellt hat, endlich eintrifft und dieser eine Geschichte erzählt. Aber lieber von Anfang an:

 

Vor genau einem halben Jahr, oder genauer wären es in drei Tagen ein halbes Jahr, wurden wir von einem Kaffeehändler kontaktiert, einem extrem netten Holländer namens Sebastian. Dieser ist bereits seit einiger Zeit in Honduras tätig und arbeitet in sozialen Projekten, etwa mit der Homeless Child Initiative, und kam dort mit dem Cafesmo Projekt in Berührung. Ziel ist, die Kaffeebauern direkt mit Händlern in der Welt zu verbinden und gleichzeitig für faire Preise zu sorgen. Wir waren eigentlich bereits voll mit unserer geplanten Expansion unseres Sortiments, aber die beschriebenen Kaffees klangen doch zu interessant und so bestellten wir Proben. Diese hatten es wirklich in sich, und so mussten wir doch spontan nicht eine, nicht zwei, sondern drei Sorten ins Sortiment übernehmen. Diese werden wir in den nächsten Wochen der Reihe nach ins Sortiment aufnehmen und vorstellen.

 

Das Schöne an Cafesmo ist, dass wirklich darauf geachtet wird, dass ein persönlicher Bezug hergestellt wird, weshalb wir auch eine persönliche Grußnachricht von Roy Hernandez (dazu in einem späteren Beitrag mehr) bekommen haben. Die erste Sorte, die wir Cafesmo Classic (Honduras) getauft haben - und wir wissen, dass wir mit Namen nicht sehr stark sind - wird von drei Bauernhöfen produziert. Benjamin (im Bild zu sehen), Jaimie und Lidia haben einen Kaffee kreiert, der all das verkörpert, was man sich unter einem klassischen südamerikanischen Kaffee vorstellt: nussig, schokoladig, stark, aber gleichzeitig nicht brachial. Was vielleicht für den Einen oder Anderen Kunden interessant sein könnte ist, was beim Bauern am Ende übrig bleibt. 2kg Kaffee bedeutet in etwa, dass die Tageskosten für eine vierköpfige Familie gedeckt werden - allerdings beinhaltet das noch nicht die Kosten für Strom oder Bildung. 

 

Somit könnte man also sagen, dass wir mit unserem bestellten Cafesmo Classic mehr als einen Lebensmonat für die Familie einer der Farmen bezahlt haben. Eigentlich ein schöner Gedanke :-) 


26. Juni 2020 - Recycling

 

Nachhaltigkeit ist vielfältig und hört für uns nicht einfach beim Einkauf der Bohnen auf. Neben einer CO2-ausgeglichenen Röstung (geplant ist innerhalb der nächsten Jahre auch ein eigener Solargenerator für echte Unabhängigkeit!) stellt sich ab einer gewissen Menge auch die Frage, was man denn eigentlich mit den Kaffeesäcken noch so anstellen könnte.

 

Die meisten Kaffeesäcke haben in ihrem Inneren eine weitere Schutzhülle, meist von der Marke GrainPro, die den Kaffee auf seiner Reise schützt. Diese Plastiksäcke sind extrem robust, müssen sie ja mit 75kg Gewicht auskommen, und werden bei uns in der Rösterei unter anderem als heavy duty Müllsäcke weiterverwendet.

 

Die Jutesäcke selbst wiederum stapeln sich langsam sehr. Eine tolle Anwendung dafür hat sich kürzlich ergeben. Die frisch gepflanzten Bäume am Hang der Familie Auer leiden darunter, dass Rehe ihnen regelmäßig die Rinde abknabbern. Leider sind diese Rehe auch zu gewieft gegen die klassischen Schutzmäntel. Die Lösung: Jutesäcke sind robust und für die Rehe uninteressant genug, dass sie einen nachhaltigen Schutz bieten - und wir konnten dadurch ein paar Jutesäcke für einen guten Zweck spenden :)

 


09. April 2020 - Zeit für noch mehr Experimente!

 

Was macht ein gelangweilter Physiker in den Zeiten des social distancing? Herumspielen, natürlich! Rein zufällig hatte Christian bereits eine UV-Lampe zuhause.

 

Fluoreszenz ist ein Prozess, bei dem kurzwelliges Licht (was eine höhere Energie besitzt) in langwelliges Licht umgewandelt wird. Wenn man Rohkaffee mit UV-Strahlern beleuchtet, gibt es einen eigentlich sehr schicken Fluoreszeneffekt. Das interessante dabei ist, dass sogenannte Defekte oft in anderen Farben und Helligkeiten leuchten! 

 

Bei diesem Fallbeispiel haben wir einige vorher gesammelte Defekte zu einem Rohkaffee hinzugegeben. Farbig markiert sind nur einige der offensichtlichen Defekte, aber es ist klar, dass sie entweder sehr hell oder sehr dunkel erscheinen. In echt ist dieser Effekt noch viel deutlicher ausgeprägt als auf einem Foto.

 

Jetzt könnte man sich fragen was das bringt - und das ist eine gute Frage! Was vom Kaffeeröster als Defekt bezeichnet wird ist einfach eine Kaffeebohne, bei der etwas schief gegangen ist, sei es dass ein Schädling sie zersetzt hat, sei es dass die Bohne durch Beschädigungen wie unsachgemäße Erntung schlecht geworden ist oder andere Ursachen. Diese Defekte führen zu einem unangenehmen Geschmack und sollten daher entfernt werden, weshalb die Qualität des Kaffees auch in Defekten pro Kilogramm/Sack angegeben wird. Viele Farmen rüsten deshalb bereits mit UV-Lampen auf, aber selbst in diesem Fall gilt natürlich doppelt hält besser :) 

 

Was das für unseren Kaffee bedeutet? Mehr Konsistenz, weniger Störaromen, mehr Qualität.


19. März 2020 - Es geht los!

 

Knapp 18 Monate seit dem ersten Röstversuch mit einem Großgerät, und 30 Monate nach der allerersten Kaffeeröstung von Christian, haben wir nun also auch unseren Online-Shop freigeschaltet.

 

Es war ein langer Weg und wir haben ihn gezielt vorsichtig und langsam begangen, nachdem es letztendlich "nur" ein Hobby ist, das zum Nebenberuf wurde. Max bleibt weiterhin Zahnarzt, Christian weiterhin Patentprüfer. Uns ist keine andere Rösterei bekannt, die auf eine derartig aggressiv passive Weise gestartet hat mit der Selbstvorgabe, nicht mehr als einen Tag in der Woche daran zu arbeiten, aber es hat geklappt. Wir sind selbst immer noch sehr verwundert darüber! 

 

An dieser Stelle noch vielen Dank vor allem an unsere Familien und Freunde, die es sich nicht nehmen lassen konnten uns tatkräftig zu unterstützen durch mit-anpacken und dem Probieren der verschiedenen Röstungen!


16. Januar 2020 - Mehr Sorten!

 

Neues Jahr, neue Sorten! Auch wenn wir bereits Haussorten wie Pacha Mama, Aramosa und Kedovo haben, mit denen wir extrem zufrieden sind, lohnt es sich doch immer wieder mal über den Tellerrand zu gucken. Wir haben uns deshalb bei zwei Händlern umgesehen, Amarella Trading und InterAmericanCoffee, und insgesamt 6 neue Varietäten zur Probe gekauft. Die ersten Tests sind mehr als vielversprechend und schon bald werden wir unser Sortiment weiter ausbauen! 

 

Zwei Fragen kommen in diesem Zusammenhang sehr häufig und deshalb sollten wir sie beantworten: 

  1. Woher bezieht Ihr euren Kaffee?
  2. Wie sucht Ihr ihn aus?

Die Antwort auf Frage 1 ist nicht in einem Satz zu beantworten. Manche Händler, wie Pacha Mama, sitzen vor Ort in München und basieren auf persönlichem Austausch. Wir fahren tatsächlich zu unserem Händler und laden den Kaffee in den Kofferraum, was auch noch Versandkosten spart! Andere Händler wie Kedovo wurden über eine längere Suche online und in den Verzeichnissen des Deutschen Kaffeeverbandes gefunden und per Telefon kontaktiert, wieder andere wie Amarella haben den wohl bequemsten Weg - Auswahl der Produkte, Bezahlung und Checkout per Paypal und fertig. 

 

Wie der Kaffee ausgesucht wird ist wiederum nicht simpel zu beantworten. Es gibt eine Vielzahl an Kaffeeländern, jede mit ihrem eigenen Geschmacksprofil wegen Bodenbeschaffenheit und Höhenlage, dazu gibt es dutzende Kaffeevarietäten und Aufbereitungstechniken wie nass vs. trocken, was aber den Rahmen dieses Eintrages sprengt. Es gibt daraus allerdings eine große Zahl an möglichen Geschmackskombinationen, die wir möglichst vollständig abbilden möchten. Pacha Mama steht für einen ausbalanzierten, eleganten Kaffee, Kedovo für einen kräftigeren, schokoladigen Kaffee der auch als Espresso verwendet werden kann. Weitere Möglichkeiten wie fruchtig, entweder floral oder zitrusartig, oder schokoladige Kaffees mit weniger Körper oder Kaffees mit einem noch stärkeren Geschmack stellen nun die nächste Stufe da und wir kaufen sie gezielt basierend auf unserem Wissen ein. 


07. November 2019 - Thermale Optimierung

 

Es hat sich mittlerweile einiges in unserer Rösterei getan. Das Problem der Entspelzung wurde gelöst - eine Kombination aus einer drehbar gelagerten Trommel und Abkühlplatten war der Schlüssel zum Erfolg.

 

Nun geht es zum nächsten Punkt: Optimierung der Luftwege für ein schnelles Abkühlen des Kaffees. Falls sich Luft irgendwo im Raum staut, kann das schnell zu lokalen Hitzestellen beim Kaffee führen, die sich negativ auf den Geschmack auswirken. Christian hatte natürlich nur darauf gewartet und machte sich mit Hilfe seiner Thermalkamera daran, die Positionierung der Lüfter zu optimieren. Unser Trick hierbei war die Verwendung des Rauches selbst, der beim Rösten entsteht und auf der Wärmebildkamera gut sichtbar ist. Damit sind wir nun dabei, eine noch effektivere Luftzirkulation aufzubauen und Christian ist zufrieden, hat er doch etwas zum Spielen und Berechnen!


15. September 2019 - War das Lager nicht gerade noch voll?

 

Schon erstaunlich, wie schnell sich so ein Lager befüllen, aber auch wieder leeren lässt. Die ersten Kaffeesäcke sind leer und laden zu einer kleinen Übersichtsrechnung ein: bisher haben wir ca. 700kg Rohkaffee von vier verschiedenen Händlern und 9 Kaffeefarmen erworben. Davon sind nun bereits mehr als 400kg schon wieder verröstet! Dafür, dass wir eigentlich gerade nur wild herumprobieren und keine aktive Werbung betreiben, ist die Quote garnicht mal so übel...

 

Die ersten Kaffeesäcke sind somit geleert und werden an die Wand genagelt. Mal sehen, ob wir die Wand in 2020 schon komplett bedeckt haben werden!


11. Mai 2019 - es geht wieder los!

 

Endlich haben wir es geschafft und eine neue Heimat für unsere Rösterei in Offenstetten bei Abensberg gefunden! Erster Tagesordnungspunkt ist, neben dem Konvertieren eines Lagerraumes zu einer Rösterei, natürlich auch gleich eine Ladung Kaffee zu testen - und ganz nebenbei für einen Moment eine Hommage an Breaking Bad zu machen! Unser Produkt ist braun und legal - macht aber auch leider ein bisschen süchtig ;-)

 

Hier sind wir, erschöpft aber glücklich, und nur minimal overdressed. Schnell merkten wir, dass die wesentlich kompaktere Raumform im Vergleich zur Scheine uns vor neue Herausforderungen stellt: wie lösen wir die Entspelzung des Kaffees? Wie sorgen wir für eine effektive Ablüftung? Und wie bekommen wir eigentlich unser ganzes Lager unter?


Oktober 2018 - erste Tests

 

Ein paar Monate nach unserem ersten verrückten Experiment, eine kleine Rösterei als Hobby aufzubauen, hat sich unser Vorgehen schon weitgehend professionalisiert. Zeit für ein paar Messungen! Eine Temperatursonde haben wir selbstverständlich bereits daheim, wieso wissen wir allerdings nicht mehr, und deshalb ist die nächste Aufgabe, unseren Testofen  in folgenden Bereichen zu überprüfen:

  1. Wie genau wird die Temperatur selbst gemessen? 
  2. Wie gleichmäßig ist die Temperatur im Ofen verteilt?
  3. Wie gut kann der Ofen seine Temperatur halten? 
  4. Wie wiederholbar ist der Vorgang?

In allen Bereichen können wir guten Gewissens Bestnoten verteilen. Der Ofen misst stehts auf +-1°C genau, welche Temperatur gerade herrscht, die Umwälzung im Raum ist hervorragend und die Temperaturstabilität bzw. Wiederholbarkeit ist ebenfalls sehr gut. Durch das Einprogrammieren von Temperaturpunkten über die Zeit können wir unsere Röstkurven sehr präzise steuern. Als nächstes muss erst einmal das Fenster dieses Testofens getauscht werden, um eine klare Sicht auf den Kaffee während des Röstvorgangs zu haben!